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In der Pfarreiengemeinschaft Oberstdorf feiern wir in Oberstdorf, Schöllang und Tiefenbach heilige Messen. Außerdem laden wir Sie sehr herzlich zu unseren Gruppen und Veranstaltungen ein.

am 02.12.2019 von Nicola Traskalik

Interview mit Ulrike Krippendorf

Ulrike Krippendorf

Genauer nachgefragt bei... ...Ulrike Krippendorf

Den meisten von Ihnen ist sie bestimmt schon begegnet. Vielleicht hatten Sie sogar schon mehr mit ihr zu tun oder haben einfach nur von ihr gehört. Seit dem 1. September 2019 ist Ulrike Krippendorf als Gemeindereferentin in unserer Pfarreiengemeinschaft tätig. Sie unterstützt den pastoralen Dienst in der Seelsorge und hat ihre Schwerpunkte im Themenfeld Familien mit kleinen Kindern, im Religionsunterricht an der Grundschule, in der Firmvorbereitung und teilweise in der Seniorenarbeit. Als Gemeindereferentin arbeitet die 49-Jährige schon seit fast 25 Jahren. Wir wollen sie Ihnen nun etwas näher vorstellen. Dafür haben wir der gebürtigen Rheinländerin einmal ein paar Fragen gestellt.

Frau Krippendorf, was begeistert Sie an Ihrem Beruf?

Die Möglichkeit, Menschen mit ihren je eigenen unterschiedlichsten Lebens- und Glaubensgeschichten zu begegnen, das lebendig machen unserer Religion, unseres Glaubens insbesondere für kleine Kinder, weil ich da gezwungen bin, konzentriert Wesentliches unseres Glaubens darzustellen. Ganz aktuell bewegt mich aber die Gottesdienstgemeinschaft mit den älteren Menschen und den Mitarbeiterinnen in der Herbstsonne, zu spüren, dass diese Aufgabe zutiefst Sinn macht.

Gibt es eine Geschichte aus der Bibel, die Sie selbst gerne miterlebt hätten? Welche und warum?

Was für eine spannende Frage! Da fällt mir eine Geschichte ein, zu der ich letztens ein Kunstwerk von Salvador Dali in einer von ihm gestalteten Biblia Sacra gesehen habe. Es erzählt von der Begegnung Maria von Magdala mit Jesus im Garten am Ostermorgen. Anders als in der biblischen Geschichte erahnt man, dass sie den Auferstandenen doch ganz leicht und flüchtig berührt. Da wäre ich gerne mit dabei gewesen. Vielleicht hätten wir uns nach dieser Begegnung mit dem Auferstandenen erzählt, ob es denn wichtig gewesen wäre, ihn zu berühren…
Außerdem hätte ich gerne den Apostel Paulus kennen gelernt und einen seiner Temperamentsausbrüche erlebt. Was für ein weitsichtiger, gebildeter und gläubiger Mensch!
(Auch eine Begegnung mit einer Prophetin oder eines Propheten aus dem ersten Testament wäre spannend. Vor allem zu fragen, wie es ihnen trotz ihrer immer wieder aufkommenden Zweifel an Gott und ihrem Volk Israel gelingt, weiter zu machen.

An was für Stationen in Ihrem beruflichen Leben erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Es waren ja schon einige Stationen bis hierher nach Oberstdorf… da muss ich kurz überlegen. Ein damaliger Pfarrer sagte mir, deine erste Liebe vergisst du nie. Und ja, beruflich gesehen war meine erste Liebe sicherlich meine erste Stelle in der Gemeinde Sankt Nikolaus mit ihrer wunderbaren romanischen Abteikirche und deren bewegter Geschichte. Ein Ereignis dort ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Mit den Kindern und Erzieherinnen haben wir dort für drei Tage das "ora et labora - Projekt" stattfinden lassen. Als Schwestern und Brüder im passenden Habit spürten wir dem klösterlichen Leben mit geregelten Arbeits- und Gebetszeiten nach. Nie mehr habe ich seitdem erlebt, wie würdig, ernst und heilig ein Spiel sein kann. Ich habe es noch heute vor Augen wie wir mit gut 30 Vorschulkindern mehrfach täglich, die Arbeit durch den Gebetsruf der Glocke unterbrochen, schweigend durch den Mittelgang ins Chorgestühl zogen, dort unser Stundengebet feierten, um danach wieder an unsere Arbeit zu gehen. Dieses Erleben hat mir nachhaltig gezeigt, wie wir Erwachsene mit Kindern glauben können.

Wie sieht für Sie der perfekte freie Tag aus?

Der perfekte freie Tag hat auf alle Fälle Sonnenschein, egal welche Jahreszeit. Und wenn ich allein bin, gehe ich ins Gartenbeet, pflanze und schneide und liebe es, mit den Händen in der Erde zu wühlen oder es geht zum Pony zum Kutsche fahren. Wenn mein Mann und ich zusammen frei haben, gehen wir gerne in die Berge.

Urlaub lieber am Meer oder in den Bergen?

Berge gehen immer, Meer an sich nur als Atlantik oder Nordsee.

Welcher Versuchung können Sie nicht widerstehen?

Marzipan und Gulaschsuppe, wenn's um Essen geht und Postkarten und Kunstführer im Museumsshop nach dem Besuch eine Ausstellung.

Haben Sie ein Vorbild? Wenn ja, welches?

Mich beeindruckt Madeleine Delbrêl (1904-1964). Sie ist auch bekannt als "Mystikerin der Straße". Als Sozialarbeiterin in der französischen Stadt Ivry galt es für sie, genau dort Gott einen Ort zu sichern. Sie war davon überzeugt, dass man den Leuten keinen Glauben geben kann, dass man sich jedoch selbst geben kann. Es ging ihr darum, bei den Menschen zu sein und Gott in der Begegnung einen Raum einzuräumen.

Welche Musik hören Sie gerne?

Ich höre seit meiner Jugend Nick Cave. Durch einen überaus engagierten Klavierlehrer meiner Kindheit und Jugend habe ich den Zugang zu klassischer Musik eröffnet bekommen, die ich auch sehr gerne höre. Ganz besonders mag ich die Musik der Komponisten der sogenannten minimalistischen Musik wie Arvo Pärt.

Was beeindruckt Sie an Papst Franziskus?

Dass er sich jeden Tag neu seiner Verantwortung in diesem Amt stellt und versucht, die Weltkirche in ihrer Unterschiedlichkeit in Jesus Christus zusammen zu halten, in die Zukunft zu führen und es dabei auch auszuhalten, dass er immer wieder innerkirchlich, von seinen eigenen Leuten, infrage gestellt wird.

Was wünschen Sie sich für die katholische Kirche in Deutschland?

Eine Umgangskultur auf allen Ebenen, die von einer menschenfreundlichen, dialogischen Haltung geprägt ist. Ehrlichkeit, die um die Schwächen einer großen Organisation und ihrer Beteiligten weiß. Demut und Dankbarkeit vor den Menschen, die - immer noch - in der Kirche engagiert sind. Eine in gläubiger Zuversicht gefasste Erkenntnis, dass auch in ungewohnten, veränderten Situationen Gott gegenwärtig ist und sein wird. Und Mut.

Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft?

Ich habe keinen persönlichen Wunsch. Ich bin zufrieden und lebe gern.Als Motto vielleicht ganz rheinisch: Et hätt noch immer jot jejange. Das bedeutet so viel: Es wird schon im Großen und Ganzen alles gut werden bzw. es wird schon nichts wirklich schief gehen. Oder wie meine Mutter in ihrem Gottvertrauen nach mehr oder weniger furchtbaren persönlichen Ereignissen immer sagt: Wer weiß, wozu das alles gut ist.

Vielen Dank für Ihre offenen und ehrlichen Antworten, Frau Krippendorf. Weiterhin alles Gute für Sie und Ihre Arbeit in unserer Pfarreiengemeinschaft!

Verena Scherm