Kapelle St. Josef Unterthalhofen

Inmitten weniger Häuser, an der Straße nach Altstädten gelegen, steht die kleine Josefskappl, bewachsen von einem Nussbaum und einigen Weinstöcken.

Sie zählt zwar nicht zu den künstlerisch herausragenden Kirchen der Pfarrei Schöllang, doch überrascht sie den Besucher mit einem besonders anheimelnden und liebenswürdigen Altarbild, das zum näheren Schauen und Betrachten anregt.Die Mitte des Bildes nimmt der Kapellen- und Ortspatron St. Joseph ein, wie er ehrfurchtsvoll vor dem Jesuskind kniet und mit väterlicher Geste das linke Händchen des Kindes ergreift. Dieses sitzt auf dem Schoß der Mutter Maria, die mit ernstem Blick auf ihren Sohn schaut. Die Bibel erwähnt Josef als Mann Mariens und Beschützer der Hl. Familie, zuletzt als der zwölfjährige Jesus mit seinen Eltern zum Osterfest nach Jerusalem pilgert.
Die Bedeutung Josefs als ein Mann Gottes, der seinen Weg im Vertrauen auf Gott und seine Weisung geht, offenbart der hinter ihm stehende Engel Gabriel, der eine weiße Lilie (die Josefs-Lilie, Zeichen seiner Keuschheit) trägt sowie über dem Haupt des Hausvaters einen Ehrenkranz aus Rosen und Lilienblüten emporhält.
Josef, so wird berichtet, war mit Maria verlobt (Lk 1,27; Mt 1,18). Die Verlobung galt damals als rechtsverbindliches Eheversprechen; die eheliche Gemeinschaft selbst wurde jedoch erst nach der Heimholung der Braut etwa 1 bis 1 ½ Jahre später aufgenommen.
Den Hintergrund des Bildes schmückt das Haus der Familie in Nazareth, wie auch am linken unteren Bildrand das Handwerkszeug aus der Werkstatt Josefs seinen Beruf in Erinnerung bringt: Zimmererbeil, Winkel, Stemmeisen, die uns ein putziger Engel zeigt. Nicht zu übersehen sind weiter zwei herausragende Gewächse, ein Myrtenstrauch sowie ein Nussbaum; sie wollen die Verlobung und damit die bräutliche Verbin-dung zwischen Maria und Josef verdeutlichen. Bereits Griechen und Römer schmückten die jungfräuliche Braut mit einem Myrtenkranz (Symbol der Unschuld und Reinheit) – ein auch früher in unserer Gegend geübter Brauch nicht nur für Brautleute, sondern ebenso für Primizianten. Die Walnuss spielte in den römischen Hochzeitsbräuchen eine wichtige Rolle; im Christentum dagegen soll diese Frucht das süße Fleisch Christi symbolisieren, das zuvor in der Schale von Marias Schoß gewachsen war. Auf manchen Darstellungen trägt Josef bei seiner Verlobung mit Maria einen Walnusszweig.
Das bemerkenswerte Altarbild wurde 1798 von dem begabten Rettenberger Künstler Nikolaus Weiß gemalt, der auch für die Schöllanger Pfarrkirche tätig war.
„ICH GEH ZU JOSEPH“ steht in goldenen Buchstaben auf dem Altar zuoberst geschrieben! Lohnenswert darüber einmal nachzudenken, vielleicht auch bei der dort einmal monatlich gefeierten Hl. Messe: Platz gibt es immer genug.

Pfarrer Werner Schnell (Pfarrbrief 23/2015)

Meistens am 1. Donnerstag im Monat findet um 19.00 Uhr eine Hl. Messe statt.

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